
Nahrungsergänzungsmittel (NEM) liegen im Trend, wobei der Nutzen nicht belegt ist.
Rund ein Drittel der Deutschen nimmt Nahrungsergänzungsmittel und mit Nährstoffen angereicherte Arzneien zu sich. Dafür werden laut Nationaler Verzehrsstudie II jährlich rund 1,5 Milliarden Euro ausgegeben, Tendenz steigend. Die Werbeaussagen klingen ja auch zu verlockend: So sollen Vitaminpillen und -säfte Versorgungsdefizite ausgleichen, Magnesium die Nerven entspannen, Zink vor Erkältungen schützen und Biotinpräparate sind gut fürs Haar.
Kaum ein gutes Haar lassen dagegen Verbraucherzentralen, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) oder das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) an den Vitamin- und Mineralstoffpillchen: Nahrungsergänzungsmittel sind für gesunde Personen, die sich normal ernähren, überflüssig, heißt es kurz und knapp bei der Unabhängigen Patientenberatung. Wer sich einseitig ernähre, könne das auch durch Nahrungsergänzungsmittel nicht ausgleichen. Auch die DGE findet deutliche Worte: Die zusätzliche Gabe von Vitamin C und Zink zur Prophylaxe und Therapie von Erkältungen ist derzeit nicht zu empfehlen. Wissenschaftliche Beweise für einen Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln fehlen.
NEM werden als Lebensmittel eingestuft, die einen oder mehrere Nährstoffe in konzentrierter Form enthalten beispielsweise Vitamine, Mineralstoffe oder Spurenelemente. Meist werden sie in Kapsel- oder Pillenform angeboten, sie sind aber keine Arzneimittel. Dennoch gibt es immer wieder Anbieter, die mit dem vermeintlichen therapeutischen Nutzen des Präparates werben. Auch die Zusammensetzung der Nahrungsergänzungsmittel lässt offenbar häufig zu wünschen übrig. So stellte die Universität Hohenheim bei Beta-Carotin-Präparaten eine deutliche Unter- und Überschreitung der deklarierten Carotinoidgehalte fest. Die deutsche Sporthochschule Köln fand bei nicht-hormonellen NEM für Sportler in elf Prozent der Produkte hormonell wirksame Substanzen. Eine Untersuchung der Zeitschrift Öko-Test (Februar 2008) ergab, dass knapp die Hälfte der 20 untersuchten NEM-Präparate mangelhaft oder ungenügend war. Unter anderem war die Dosierung bestimmter Komponenten teilweise deutlich überhöht.
Für manche Personen können Nahrungsergänzungsmittel jedoch auch von Nutzen sein: Beispielsweise Schwangere, Patienten mit Magen-Darm-Erkrankungen oder Menschen, die sich an bestimmte Diäten halten müssen. Die NEM sollten aber immer nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.
Um den Verbrauchern mehr Sicherheit zu geben, sollen ab Januar 2010 europaweit nur noch solche Nährstoffquellen verwendet werden dürfen, die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit auf ihre Sicherheit und Bioverfügbarkeit überprüft wurden. Das besagt die EU-Richtlinie 2002/46/EG. Außerdem werden Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe festgelegt.
Wer auf Nummer sicher gehen will, hält sich an die Empfehlungen der DGE: Die beste Quelle für Vitamine und Mineralstoffe sind nach wie vor natürliche Lebensmittel, Obst und Gemüse, fettarme Milchprodukte, kleine Mengen Fleisch, Eier und Seefisch.
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Quelle:
AOK - Die Gesundheitskasse. (Artikeldatum: 14.10.2009)

