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Functional Food

Probiotischer Joghurt, mit 10 Vitaminen angereicherter Fruchtsaft oder cholesterinsenkende Margarine: Kann man sich wirklich gesund essen?

Functional Food, zu deutsch, funktionale Lebensmittel, sind Nahrungsmittel, die mit zusätzlichen Inhaltsstoffen angereichert werden und einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben sollen. Zugesetzt werden vor allem Bakterienkulturen, ungesättigte Fettsäuren, Mineralien und Vitamine. Wer Functional Food isst, bleibt länger körperlich und geistig fit das versprechen zumindest die Hersteller. Bis zum Jahr 2010 sollen 25 Prozent der Lebensmittel funktional sein. Und die Verbraucher kaufen sie auch. 3,2 Milliarden Euro werden jährlich für cholesterinsenkende Margarine, Wellnesswasser oder Probiotika ausgegeben. Die Werbung für die Gesundmacher setzt an der passenden Stelle an: Wer schafft es schon 5 Mal am Tag Gemüse und Obst zu sich zu nehmen? In der heutigen Zeit, in der soviel Stress und Zeitmangel vorherrscht, ist es kaum möglich, sich ausschließlich mit natürlichen Lebensmitteln zu ernähren. So greift eine gesundheitsbewusste berufstätige Mutter öfter mal zum Knuspermüsli, was mit 10 Biostoffen angereichert ist, oder zum probiotischen Joghurtfläschchen. Die 20 bis 50 Cent, die dieser Joghurt teurer ist, kann sie sich jedoch sparen. Laut Mikrobiologe Professor Michael Teuber, der sich mit Probiotika beschäftigte und an der Technischen Hochschule Zürich lehrte, ist ein normaler Joghurt genauso gut für den Darm wie ein probiotischer.

Wie viel Vitamine braucht der Mensch wirklich?

Vitamintabletten finden wir heute nicht mehr nur in Apotheken. Jeder Supermarkt bietet die Pillen in allen Varianten an. 150000 bis 200000 Tonnen werden davon im Jahr hergestellt und sie finden auch ihre Abnehmer. Dabei ist nach wie vor ungeklärt, wie viele Vitamine wir am Tag brauchen. Empfiehlt die WHO seit neuestem etwa 45 mg Vitamin C am Tag, so werden in Deutschland, der Schweiz und in Österreich 100 mg empfohlen, in den USA 60 mg und in England 40 mg. Auch ist die Wirkung der Pillen oder der angereicherten Produkte im Körper nicht gänzlich geklärt. Nach allem, was man heute weiß, wirken diese Stoffe als Functional Food im Körper nicht so gut wie in ihrer natürlichen Form als Gemüse, Obst, Vollkorn oder Fisch. Vor diesem Hintergrund ist die Menge der zugeführten Vitamine, besonders bei Kindern, generell als kritisch zu sehen. Dies erklärt Dr. Mathilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund. Das Institut fand heraus, dass 40 % der derzeit auf dem Markt erhältlichen Kinderlebensmittel mit Vitaminen angereichert werden. Die Fachleute vom FKE errechneten, dass ein Kind, das am Tag aus fünf verschiedenen Kinderlebensmittelgruppen jeweils das Produkt mit dem höchsten bzw. niedrigsten Vitamingehalt verzehrt, in jedem Fall mit Vitaminen überversorgt sei. Mit Vitamin B6 und Biotin z.B. mit einem bis zu 7-fachen Wert der Empfehlung für den täglichen Bedarf.

Nutraceuticals Essen als Medizin

Neben dem Functional Food, das eine gesunde Ernährung unterstützen soll, finden wir heute in den Supermarktregalen auch so genannte Nutraceuticals, die eine medizinische Wirkung im Körper haben. Diese Lebensmittel, die mit pflanzlichen Sterinen angereichert werden, senken den Cholesterinspiegel nachweislich um 10-15%. Die pflanzlichen Substanzen sorgen dafür, dass weniger Cholesterin vom Körper aufgenommen wird. Problematisch wird es, wenn diese Produkte von Menschen verzehrt werden, die gar keinen hohen Cholesterinspiegel haben. Denn diese Cholesterinsenker stecken mittlerweile auch in Käse, Sonnenblumenkernbrot, Milchgetränken oder in Pflanzenölen. Eine Studie der Verbraucherzentralen und des Bundesinstituts für Risikobewertung ergab, dass 45% der Käufer dieser Produkte gar keine Probleme mit dem Cholesterin hatten und dass 53 der 54 minderjährigen Kinder die Präparate, meist Margarine, ohne die medizinische Notwendigkeit verzehrten. Für Kinder und Schwangere sollten derartige Produkte ganz tabu sein, rät die Lebensmittelbehörde EFSA, da man noch zu wenig über die Nebenwirkungen der Sterine wisse.

Um sich im heutigen Lebensmitteldschungel zwischen Probiotika, Vitaminpillen und cholesterinsenkenden Margarinen zurechtzufinden, sollte der Blick auf die Supermarktregale ganz besonders geschärft sein. Den sicheren und gesunden Weg liefern die unbehandelten, natürlichen Lebensmittel, die die Nährstoffe und Vitamine von Natur aus in sich haben.

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Quelle: externer Link AOK - Die Gesundheitskasse. (Artikeldatum: 01.03.2009)

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