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Inhalt

Melamin in Lebensmitteln

Strukturformel für Melamin

Melamin in chinesischen Milchprodukten

Laut auslandschinesischen Publikationen wird die Chemikalie Melamin unter dem Namen dànbáijing (dt. Proteinkonzentrat) als künstliches Protein seit vielen Jahren in China verschiedensten Nahrungs- und Futtermitteln zugesetzt.

Bereits im Jahr 2006 führte eine für die USA bestimmte Lieferung von Futtermitteln zu einem Hunde- und Katzenfutter-Skandal, der Turbulenzen in der chinesisch – amerikanischen Beziehung auslöste. Viele Haustiere starben durch Nierenversagen, was 2007 zu einem landesweiten Rückruf dieser - mit ‚falschem Protein’ sprich Melamin versetzten - Futtermittel führte.

Im September 2008 wurde ein Melaminskandal um verseuchtes Milchpulver in China bekannt. Die chinesischen Behörden mussten mehr als 50.000 Verdachtsfälle von Erkrankungen durch chemisch verseuchte Milchprodukte für Säuglinge registrieren. Viele Kleinkinder starben.

Begonnen hatte alles mit der Entdeckung der giftigen Chemikalie in Baby-Milchpulver des chinesischen Herstellers Sanlu. Nachdem bekannt wurde, dass auch in Europa Lebensmittel mit einem erhöhten Melamingehalt auf den Markt gekommen waren, durchforsteten die Lebensmittelinspektoren und -kontrolleure in Deutschland Lebensmittelgeschäfte und vor allem Geschäfte asiatischen Ursprungs auf Backwaren, Süßigkeiten etc., die Milchpulver enthalten und in China produziert wurden. In Süddeutschland wurden einige wenige Produkte gefunden, die substanzielle Mengen an Milchpulver enthielten.

Maßnahmen in NRW

Die Informationen der chinesischen Behörden ergeben bisher keine Hinweise, dass Lieferungen der betroffenen Produkte in die EU, Deutschland oder NRW gingen. Die Einfuhr von Milchprodukten aus China in die EU ist verboten, jedoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass über illegale Wege Ware nach Deutschland gelangt ist. Die EU hat empfohlen, diesem Problem verstärkte Aufmerksamkeit zu schenken.

Im Sinne eines vorbeugenden Verbraucherschutzes hat daher das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz die Kontrollen von chinesischen Lieferungen an den Flughäfen in Düsseldorf und Köln verschärft. Die Lebensmittelüberwachungsämter der Kreise und Städte wurden gebeten, im Rahmen der Routinekontrollen von Einzelhandelsgeschäften auf chinesische Milchprodukte und Säuglingsnahrung zu achten und ggf. Proben zu entnehmen. Jedoch sind bislang keine Milchprodukte oder Säuglingsnahrung aus China vorgefunden worden.

Säuglings- und Kleinkindernahrung wird in NRW regelmäßig untersucht. Im Jahr 2007 gab es 822 Proben in- und ausländischer Hersteller in diesem Bereich. Die Beanstandungsquote (z.B. Kennzeichenmängel) lag bei 2,4%. Für das Jahr 2008 wurden bislang 308 Proben untersucht und 11 Proben (3,6%) beanstandet.

Bis zum 6.11.2008 wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt 139 Proben auf Erzeugnisse chinesischer Hersteller auf Melamin untersucht. Alle untersuchten Proben lagen unter dem von der EU festgelegten Grenzwert von 2,5 mg/kg.

Beurteilung

Toxikologische Informationen zu Melamin finden sich in einigen Stoffdatenbanken, etwa in der Anker GESTIS-Datenbank des Berufsgenossenschaftlichen Instituts für Arbeitsschutz. Als besonders problematisch wurde der Stoff bisher nicht angesehen: "Die akute orale Toxizität wird als gering charakterisiert. (…) Trotz einer Vielzahl von Beschäftigten, die seit Jahrzehnten mit Melamin umgehen, sind gesundheitliche Störungen (…) nicht bekannt geworden", heißt es im GESTIS-Datenblatt.

Was über die medizinischen Wirkungen des Melamins auf die Nieren bekannt ist, stammt im Wesentlichen aus zwei Skandalen der Jahre 2004 und 2006. Im Jahr 2006 wurde die Substanz - ebenfalls in China - eingesetzt, um eine Lieferung Tierfutter an die USA zu strecken. Die Folge war: Diverse Haustiere starben an Nierenversagen. Mehrere Forschergruppen haben sich daraufhin die Tiere etwas genauer angesehen. Die Mehrheit der Katzen, die besagtes Tierfutter erhalten hatten, entwickelten Erbrechen und Polyurie sowie eine Azotämie, also Zeichen eines akuten Nierenversagens.

Über die langfristigen Auswirkungen auf den Menschen ist bislang noch wenig bekannt. Wissenschaftler schließen nicht aus, dass sich Melamin in Nierenkanälen bei Patienten kristallisieren könnte, auch wenn bei diesen bereits Nierensteine entfernt wurden. Die Kristallisierung könne zur Verstopfung und damit zu einer dauerhaften Nierenschädigung bis hin zum Organversagen führen.

Empfehlung

Verbraucherinnen und Verbrauchern wird empfohlen, Milchprodukte und Säuglingsnahrung nur von deutschen und europäischen Herstellern zu verwenden, da diese den hohen europäischen Anforderungen entsprechen.

Stoffinformation

Bei Melamin handelt es sich um eine heterocyclische Verbindung mit 6 Stickstoffatomen: C3H6N6

Der überwiegende Teil von Melamin wird zu Kunstharzen verarbeitet.

Für Standardprodukte (etwa Spanplatten im Möbelbau) werden aus preislichen Gründen reine Harnstoffharze verwendet, für Anwendungen, die erhöhte Anforderungen bezüglich Feuchtebeständigkeit haben, wird jedoch Melamin als Bestandteil in hochwertigen Harzklebesystemen verwendet (etwa Melamin-Harnstoff-Formaldehyd-Harze = MUF).

Als MF-Tränkharz dient es auch zur Verklebung von Dekorpapieren auf Trägerplatten (wie beispielsweise Spanplatten). Die meist bedruckten oder gefärbten Papiere werden mit Melaminharz getränkt, getrocknet und später unter Druck und erhöhter Temperatur mit dem Trägermaterial verbunden. Die dabei entstehenden Oberflächen erhalten dadurch auch noch eine gute Haltbarkeit und können so beispielsweise als Arbeitsplatten in Küchen verwendet werden.

Des Weiteren existieren noch eine Vielzahl anderer, mengenmäßig weniger bedeutende Anwendungen.

externer Link Stoffinfomation zu Melamin

 

Quelle: externer Link LANUV NRW (Artikeldatum: 20.11.2008)

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