
Eine florierende Industrie suggeriert schnelle, bequeme Erfolge und bringt ihre so genannten Abspeckmittel für viel Geld unters übergewichtige Volk. Doch was helfen Schlankheitspillen und sonstige Wundermittel wirklich?
Zitrone, Algen & Co.
Sauer macht lustig, aber nicht schlank. Abnehmwillige werden mit Zitronensäure-Präparaten geködert, die den Stoffwechsel erhöhen, die Fettverbrennung steigern und den Appetit hemmen sollen. In Wahrheit wirken sie jedoch allenfalls verdauungsfördernd und machen nur die Geldbörse schlank. Wie wäre es mit Fucus-Algen (Braunalgen), die angeblich Fett "verschlingen"? Sie enthalten Jod, das die Schilddrüse stimulieren und damit den Stoffwechsel anheizen soll. Da aber nur eine kranke Schilddrüse auf zusätzliches Jod reagiert, kann man sich das Geld sparen. Für Menschen mit einer Schilddrüsenerkrankung können derartige Präparate sogar ernste gesundheitliche Probleme nach sich ziehen.
Als Fatburner gelten auch Mittel, die den Wirkstoff L-Carnitin enthalten. L-Carnitin ist notwendig für den Transport langkettiger Fettsäuren in die Muskelzelle, wo die Fettverbrennung stattfindet. Untersuchungen zeigen allerdings, dass die Zufuhr von L-Carnitin – auch in hohen Dosierungen – sowohl beim schlanken als auch übergewichtigen Menschen die Fettverbrennung nicht zusätzlich ankurbeln. Eine Einnahme ist daher überflüssig.
"Ein paar Liter abnehmen"?
Um Gewicht abzubauen, wird häufig die Ausscheidung angekurbelt. Viele Tees und Tabletten wirken durch die entwässernden Inhaltsstoffe von Spargel, Goldrute, Brennnessel, Birkenblättern oder Wacholderbeere. Die Mittel führen zwar kurzfristig zum Erfolg, weil der Wassergehalt im Körper abnimmt. Die Fettpolster schmelzen dadurch aber nicht. Wer diese Wirkstoffe lange einnimmt, muss außerdem mit Mineralstoffmangel und Herzrhythmusstörungen rechnen. Abführende Wirkstoffe aus Faulbaumrinde, Sennesblättern oder Aloeextrakt wurden früher ebenfalls als Schlankheitsmittel gepriesen. Sie dürfen heute jedoch nur noch als kurzfristiges Mittel gegen Verstopfung, nicht aber mehr zur Gewichtsabnahme angeboten werden. Ihr Inhaltsstoff Anthrachinon steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen und das Erbgut zu verändern. Generell sind alle Arten von Abführmitteln keine Abnehmhilfen und keinesfalls für den Dauergebrauch geeignet. Sie fördern die Darmträgheit und damit das Darmkrebsrisiko, aber auch die Gefahr der Abhängigkeit.
Bequem weg mit dem Speck?
Während der im Fernsehen beworbene "Schlankheitsgürtel" lediglich die Pölsterchen ein wenig in Form quetscht und außer einem unangenehmen Druckgefühl rein gar nichts bewirkt, fördern Rollen- und Bandmassagegeräte für Hüften, Bauch und Po zumindest die Durchblutung. Ein echter Fettabbau erfolgt aber mit diesen mechanischen Geräten ebenso wenig wie mit "fettauflösenden" Badezusätzen und Schlankheitsgels. Die enthalten oft Koffein, Guarana und ätherische Öle, was wiederum höchstens den Stoffwechsel aktiviert. Koffein ist übrigens auch vielen Schlankheitspillen zugesetzt. Eine Tasse Kaffee ist jedoch preiswerter und schmeckt besser. Aber Vorsicht: Auch Kaffee macht nicht schlank. Wer zuviel davon trinkt, wird höchstens nervös.
Schlankheitspillen auf Rezept
Medikamente zur Unterstützung des Abnehmens können nur wirken, wenn zusätzlich die Ernährung umgestellt wird. Weniger Kalorien, insbesondere Fett, und mehr Bewegung ist immer noch der sicherste und gefahrloseste Weg zum Wohlfühlgewicht. Wer dennoch zu den Mitteln greift, muss vor und während der Behandlung vom Arzt untersucht werden. Appetitzügler sind verschreibungspflichtig. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Auch sollte die Anwendung auf vier Wochen beschränkt bleiben. Sie dienen nur der kurzfristigen, unterstützenden Behandlung des Übergewichts. Appetitzügler verlieren zudem rasch an Wirksamkeit und sind allein aus diesem Gesichtspunkt kein Dauermittel. Ob eine Einnahme von Medikamenten zum Abnehmen sinnvoll ist, kann nur der Arzt individuell entscheiden. Die ersten Appetitzügler waren Amphetaminderivate, die neben Appetitlosigkeit zu gesteigerter Unruhe führten. In schweren Fällen hatten sie sogar lebensbedrohliche Nebenwirkungen. Neuere Präparate wie Reductil® wirken am zentralen Nervensystem und beeinflussen das "Glückshormon" Serotonin. Fettblocker wie Xenical® wirken dagegen im Darm. Sie sorgen dafür, dass etwa ein Drittel des verspeisten Fettes unverdaut wieder ausgeschieden wird. Mögliche Nebenwirkungen: Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall.
Das Maß der Dinge, der BMI
Zur Ermittlung des Körpergewichts wird der so genannte Body-Mass-Index (BMI) herangezogen. Er berechnet sich wie folgt: Körpergewicht (in kg) geteilt durch Körpergröße (in m)im Quadrat. Sie können sich Ihren persönlichen
BMI auf dieser Seite ausrechnen lassen. Liegt der BMI über 30, sollte man sein Gewicht unbedingt reduzieren. Ebenso bei einem BMI über 25, wenn zusätzlich eine Erkrankung wie Diabetes oder Bluthochdruck vorliegt.
Resümee
Die meisten rezeptfreien Schlankheitsmittel folgen getreu dem Motto "hilft nicht, schadet nicht". Eines aber sollte jedem klar sein: Ohne eigenes Zutun purzeln die Pfunde nicht. Langfristig schlank wird und bleibt nur, wer sich ein Hobby mit regelmäßiger körperlicher Bewegung sucht und eine vollwertige, leichte Ernährung zur lieben Gewohnheit werden lässt. Übrigens: Formula-Diäten (z. B. Schoko-, Erdbeere-, Vanille-Shakes) und fertige Abnehm-Menüs bewirken keine Ernährungsumstellung. Wagen Sie sich lieber an eigene Rezepte. Schöne Anregungen hierfür finden Sie in der
Wunschgerichtdatenbank oder jeden Monat mit der Schlemmerpost, für die Sie sich
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Appetitzügler.
Letzte Änderung: November 2010
Quelle:
AOK - Die Gesundheitskasse. (Artikeldatum: 17.04.2011)

