
Von Anti-Aging-Bier bis zur Apothekenschokolade Iss dich schön, drink yourself beautiful, heißt ein neuer Werbeslogan der Lebensmittelindustrie.
Verkaufsschlager des Beauty-Food-Trends sind spezielle Fruchtsäfte, die glattere Haut versprechen, amerikanische Teens versuchen es mit Anti-Akne-Schokodrops, Japaner kauen Deo-Kaugummis. Was ist drin, was ist dran am Beauty-Food, das zu den so genannten Functional Food-Lebensmitteln zählt und irgendwo zwischen Nahrungsmittel und Kosmetikum (Nutrikosmetik) anzusiedeln ist?
Beim Anti-Aging-Bier einer Klosterbrauerei beispielsweise ist der Pflanzenfarbstoff Quercetin beigemischt. Er hilft Zellen bei der Abwehr von schädlichen Stoffen, den freien Radikalen. Außerdem finden sich darin Spirulina-Algen, die eine positive Auswirkung auf die Haut haben. Der Schönheitsfehler: Bier enthält Alkohol, und Alkohol ist schädlich für den Körper.
Glattere Haut versprechen auch spezielle Fruchtsäfte, die sekundäre Pflanzenstoffe und das Coenzym Q 10 enthalten und zweimal am Tag getrunken werden sollen. Die sind aber nicht billig: 250 Milliliter, die etwa für zwei Tage reichen, kosten mehr als sechs Euro.
Auch der Preis einer Antifalten-Marmelade, die in Frankreich vertrieben wird, dürfte eher Falten verursachen: Ein Glas mit 120 Gramm kostet sieben Euro. Ebenfalls teuer ist die Apothekenschokolade eines deutschen Schokoladenherstellers, die seit Ende 2008 über Apotheken vertrieben wird sie soll nach Auskunft des Produzenten mehr als doppelt so viele Antioxidanzien (Radikalfänger) enthalten wie herkömmliche Schokoladen und damit gesundheitsfördernd sein.
Allerdings sei die Wirkung von Antioxidanzien noch nicht ausreichend nachgewiesen, kritisierte der Dermatologe Hans Meffert vom Dermatologischen Zentrum Berlin, kürzlich in der ZEIT: Bisher fehlen aussagekräftige, randomisierte, placebokontrollierte Studien, die klären, ob Antioxidanzien, die in oder auf die Haut gebracht werden, Alterungsprozesse in irgendeiner Form beeinflussen können.
Verbraucherschützer sind daher eher skeptisch. Sie vermuten, dass der neue Trend vor allem dazu dient, der Lebensmittelindustrie weitere Märkte zu erschließen. Bei solchen Werbeversprechen stellt sich die Frage nach dem wissenschaftlichen Nachweis, gibt etwa der Ernährungsinfodienst aid zu bedenken. Während Werbeaussagen bei Lebensmitteln, die eine Förderung der Gesundheit versprechen, wissenschaftlich nachgewiesen werden muss, seien die Anforderungen bei Wirkaussagen ohne direkten Gesundheitsbezug wie bei den Nutrikosmetika geringer.
Der Ernährungsmediziner Hans Hauner von der TU München rät daher zur Vorsicht: Aus Sicht der Experten muss man sagen, dass ein Zusatznutzen häufig nicht klar nachgewiesen ist. Ein Mensch, der sich ausgewogen ernährt mit dem, was schon lange auf dem Markt ist, bekommt eigentlich alle wichtigen Nährstoffe. Für ihn gibt es keine Notwendigkeit und macht es keinen Sinn, sich solche Produkte zusätzlich zu kaufen.â€
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Quelle:
AOK - Die Gesundheitskasse. (Artikeldatum: 25.06.2009)

