
Als vor 335 Jahren in Bremen das erste Kaffeehaus in Deutschland eröffnete, rechnete wohl niemand damit, dass das schwarze Heißgetränk unsere Trinkkultur revolutionieren würde.
Heute trinkt jeder Deutsche durchschnittlich 146 Liter Kaffee pro Jahr, das entspricht rund 512.000 Tonnen Rohkaffee. Es gibt einen bundesweiten Tag des Kaffees, im Februar dieses Jahres fand in Frankfurt die erste Kaffee-Olympiade statt und wer will, kann künftig in Hamburg Coffee Management studieren.
Die Wiege des Kaffees stand in der äthiopischen Provinz Kaffa, wo er im neunten Jahrhundert erstmals erwähnt wurde. Vermutlich wurden die Kaffeekirschen zunächst mit Tierfett vermischt konsumiert, wobei die Nomaden vor allem die anregende Wirkung schätzten. Auf die Idee, die Bohnen zu rösten, kam man erst einige Jahrhunderte später.
Europa erreichte der Kaffee gegen Ende des 16. Jahrhunderts, war aber wegen seines hohen Preises zunächst nur begüterten Kreisen vorbehalten. Die bald darauf entstehenden Kaffeehäuser waren übrigens reine Männersache Frauen mussten sich lange Zeit mit dem Caffé Cräntzgen zu Hause begnügen. Erst vor rund 150 Jahren entstanden die Konditorei-Cafes, zu denen auch Frauen Zutritt hatten. Der Kaffee-Kult inspirierte nicht nur Porzellanhersteller, sondern auch Komponisten: Johann Sebastian Bach widmete dem aromatischen Trank eine eigene Kaffee-Kantate. Aus seiner Zeit stammt auch die Redensart, dass kalter Kaffee schön mache weil er heiß getrunken, das damals noch nicht so ausgereifte Make up der feinen Damen zerlaufen ließ.
Zum Alltagsgetränk und damit Massenprodukt wurde der Bohnenkaffee erst Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Seit einigen Jahren erlebt der Kaffee als Luxusgut eine Renaissance. So machten sich unzählige Cafes den Latte-Faktor zunutze und Coffee-to-go im Pappbecher galt als Inbegriff von Coolness und Weltgewandtheit. Allerdings ist dieser Trend aufgrund der deftigen Preise wieder rückläufig.
Latte Macchiato & Co. sind aber nicht nur cool, sondern in Maßen genossen auch gesund, wie zahlreiche Studien in Medizin und Ernährungswissenschaften aus jüngerer Zeit ergeben haben. Das im Kaffee enthaltene Koffein kann Kopfschmerzen lindern und die geistige Leistungsfähigkeit steigern. Das schwarze Gebräu senkt das Risiko für Darm-, Leberkrebs und Gallensteine und kann möglicherweise in gewissem Maß vor Parkinson, MS und Alzheimer schützen. Die Mär vom Kaffee als Flüssigkeitsräuber ist längst überholt so hat auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gegen den täglichen Genuss von bis zu vier Tassen Kaffee (Schwangere maximal drei Tassen) nichts einzuwenden.
Zu hoher Kaffeekonsum kann jedoch zu Durchfall, Zittern, Schlaflosigkeit und Nervosität führen allerdings nicht beim Bundesfinanzministerium: Dort freut man sich über jede Tasse Kaffee, egal ob geröstet, löslich, als Cappuccino oder Mokka denn die Kaffeesteuer bringt dem Bund jährlich rund eine Milliarde Euro ein.
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Quelle:
AOK - Die Gesundheitskasse. (Artikeldatum: 19.08.2008)

