
Der Geruchssinn beeinflusst unseren Geschmackssinn und unser gesamtes Wohlbefinden. Die Bedeutung macht ihn zu einem neuen Feld der Konsumforschung. Also aufgepasst, nicht alles was gut riecht ist auch von Natur aus so.
Die Idee klingt erst mal dufte: Wer in Chicago das Sheraton-Hotel betritt, riecht den unwiderstehlichen Duft von frisch gebackenem Apfelkuchen. Mit dem künstlichen Aroma wollen Marketing-Experten positive Erinnerungen an die Kindheit heraufbeschwören und die Kundschaft günstig stimmen. Auch hierzulande hat das Duft-Marketing längst Einzug gehalten: An Tankstellen umwehen Brötchenduft und Kaffeearoma die Nase, im Supermarkt riecht es nach tropischen Früchten. Zu weit treiben sollte man es damit aber nicht, wie eine Anekdote des türkischen Eulenspiegels Nasreddin Hodscha zeigt: Der habgierige Wirt, der nur fürs Schnuppern am knusprigen Braten Geld sehen wollte, guckte letztendlich in die Röhre. Für den Verkauf des Duftes wurde er mit dem Klang einer fallenden Münze belohnt...
Wie sehr der Geruchssinn unser Essverhalten beeinflusst, weiß jeder, dem die Nase schon mal den Dienst versagt hat. Den größten Teil unseres Essvergnügens verdanken wir nämlich nicht etwa dem Geschmackssinn er verfügt nur über eine Handvoll von Geschmacksrichtungen sondern unserem Riechorgan. Genaugenommen müssten Feinschmecker daher eigentlich Feinriecher heißen.
Auf der Riechschleimhaut im oberen Nasenbereich sitzen eine Vielzahl von Riechzellen, jede ist auf einen bestimmten Duft spezialisiert. Menschen können etwa 10 000 verschiedene Gerüche unterscheiden. Bei Kaffee sind es beispielsweise 15 Duftstoffe, für die 15 Riechzellen zuständig sind. Der Kaffeeduft wird dann von den Riechzellen zum Riechkolben, einem vorgeschobenen Teil des Gehirns, geschickt. Dort werden die Duftinformationen gefiltert und weiter an das Riechzentrum geleitet.
Während des Kauens öffnet sich kurzfristig die natürliche Barriere im Mundraum und geringe Mengen Aromamoleküle gelangen über den Rachen zum Riechkolben. Wahrgenommen wird das Aroma aber erst unmittelbar nach dem Schlucken.
Ist die Riechschleimhaut im oberen Nasenbereich geschwollen (zum Beispiel bei Erkältungen), kann jedoch kein Impuls an das Gehirn weitergeleitet werden: Wir riechen und schmecken nichts.
Was für die meisten Menschen zum Glück nur ein vorübergehendes Phänomen ist, betrifft etwa fünf Prozent aller Deutschen dauerhaft: Sie können praktisch gar nichts mehr riechen. Der vollständige Riechverlust wird als Anosmie bezeichnet, ein stark eingeschränktes Riechvermögen ist die so genannte Hyposmie. Für die Betroffenen bedeutet dies nicht nur einen deutlichen Verlust an Lebensqualität, sondern kann auch gefährlich werden zum Beispiel, wenn saure Milch oder verdorbenes Fleisch nicht mehr erschnuppert werden.
Welche Gerüche wir mögen und welche nicht, ist teilweise genetisch vorgegeben. Süßes liefert Energie und schmeckt deshalb gut. Bitteres ist häufig giftig und wird daher meist gemieden. Dabei gibt es auch hier den Kleinen Unterschied: Frauen können generell besser riechen als Männer und jüngere Menschen besser als alte: Bei den meisten Menschen jenseits der 85 hat sich der Geruchssinn verduftet.
Abonnieren Sie unseren AOK-Newsletter und wir schicken Ihnen regelmäßig per E-Mail die aktuellen AOK-News zu. Alternativ können Sie die News auch als RSS-Feed abonnieren.
Quelle:
AOK - Die Gesundheitskasse. (Artikeldatum: 16.11.2008)

